Zum Internationalen Frauentag haben wir unsere Feuerwehrfrau Nadine Stoeckmann gebeten, uns einen Einblick in den Fuhrpark des Löschzuges Hoengen zu gewähren. Sie selbst wurde damals von ihrem Vater, ebenso Feuerwehrmann, eines abends mit den Worten „Zieh dich an, wir fahren jetzt mal irgendwo hin!“ überrascht. Kurzer Hand ging es für sie zur örtlichen Feuerwehr und ehe sie sich versah, saß sie im Schulungsraum der Jugendfeuerwehr Kohlscheid. Nach ein paar Jahren zog es sie dann nach Oidtweiler und Jahre darauf in ihre heutige Heimatstadt, nach Alsdorf. Bei uns startete sie ihre Karriere als erste Frau in der der Freiwilligen Feuerwehr Alsdorf. Sie engagierte sich als Ausbilderin in der Jugendfeuerwehr, wurde von unseren Einheiten als Frauenbeauftragte gewählt und lernte während eines TM1 Lehrganges ihren Mann, Dirk Stoeckmann, kennen und lieben.

Dies sei mittlerweile 21 Jahre her, wie sie uns im Interview berichtete. Stolz blickt sie nun schon voller Herzblut auf eine 30-jährige Mitgliedschaft zurück. Aus einer Feuerwehrliebe wurde letztendlich eine Feuerwehr-Familie und selbst die älteste Tochter ist mittlerweile mit von der Partie. Alle Familienmitglieder sind bis heute dem Löschzug Hoengen treu geblieben, der seinen Standort in der „Alte Wardener Straße“ in Mariadorf hat. Die Entscheidung, über welches Fahrzeug wir dieses Mal berichten würden, war für unsere Feuerwehrfrau Nadine schnell entschieden: Es wurde das „LF20KatS“.

Zugegeben, für das ungeübte Auge ist der Unterschied zum Fahrzeug aus unserem letzten Beitrag der Aufklärungsreihe #AUFGEKLÄRT kaum zu unterscheiden. Jedoch täuscht die äußere Ähnlichkeit hier sehr stark. Während das HLF 20 (aus dem letzten Beitrag) für nahezu alle Standardeinsätze eingesetzt werden kann, ist das „Löschgruppenfahrzeug 20 Katastrophenschutz“ ein recht spezielles Fahrzeug. Denn wie es der Name bereits vermuten lässt, wurde das Fahrzeug für den Katastrophenschutz konstruiert. Jedoch haben vielen Gemeinden den Zweck dieses Fahrzeugtypen ebenfalls für sich entdeckt. Nadine erklärt euch in diesem Monat, für welche Zwecke das Fahrzeug bei der Freiwilligen Feuerwehr Alsdorf eingesetzt wird.

„Das Fahrzeug, das im Jahr 2013 in Dienst gestellt wurde, wiegt rund 13.100 kg. Eine ganze Menge, von dieser der eingebaute Motor mit einer Leistung von 210 kW (285 PS) nur einen kleinen Teil einnimmt. Das formschöne Fahrzeug verfügt über einen Allradantrieb, Differenzialsperren und Gelände-Singlebereifung, die dem Fahrzeug bestmögliche Offroad-Eigenschaften geben.“ In der Fahrerkabine und im Mannschaftsraum seien neun Sitzplätze vorhanden. Hier hat auch Nadine schon so manches Mal auf dem Weg zur nächsten Einsatzstelle gesessen. Sie erklärte uns auch die anderen Positionen im Fahrzeug: „Der so genannte Maschinist fährt das Einsatzfahrzeug und bedient die Pumpe und Geräte, der Gruppenführer sitzt vorne rechts und ist der Einheitsführer des Fahrzeugs. Sieben weitere Mannschaftsmitglieder können somit in den Einsatz fahren.“

Für die weitere Erklärung wurde das Fahrzeug aus der Fahrzeughalle gefahren, sodass uns Nadine ihr Fahrzeug im Detail zeigen konnte. Sie erklärte uns, dass sich im Aufbau des Fahrzeugs und, ähnlich wie am HLF, im Heck eine Feuerlöschkreiselpumpe mit einer Förderleistung von 2.000 Liter pro Minute bei 10 bar Druck befinde. Der Löschwassertank dieses Fahrzeugs verfüge über 1.000 Liter Inhalt. Schwerpunktmäßig würden auf diesem Fahrzeug viel Schlauchmaterial und eine zusätzliche tragbare Feuerlöschkreiselpumpe mit 1.000 Liter Förderstrom bei 10 bar mitgeführt. Daraus erschließe sich auch der ursprüngliche Sinn dieses Fahrzeuges: Dem Aufbau einer Wasserversorgung über eine so genannte „lange Wegstrecke“.

Im weiteren Gespräch öffnete Nadine die einzelnen „Seitenfächer“ des Einsatzfahrzeuges, wo weitere, zum Teile schwere Gerätschaften verladen sind. Ins Auge vielen uns als Allererstes die rund 32 B-Schläuche von je 20 m. „Mit diesen kann man eine Wasserförderung über eine Länge von 640 m aufbauen“, sagte sie. Mit der zusätzlichen, tragbaren Pumpe könnten Druck- und Reibungsverluste auf dieser Strecke ausgleichen werden. 16 der insgesamt 32 B-Schläuche entdeckten wir in Buchten einsatzbereit abgelegt bei unserem Rundgang im Fahrzeugheck. Nadine erklärte uns, dass diese während langsamer Fahrt aus dem Fahrzeug heraus abgelegt werden könnten. Und wer sich fragt, ob dies im Vergleich viele Schlauchmeter sind, der bekommt von uns heute die Antwort: Andere Löschgruppenfahrzeuge verfügen mit nur 280 m nicht mal über die Hälfte des hier mitgeführten Schlauchmaterials.

Und wie bereits erwähnt, ist dieses Fahrzeug für Einsätze bei Großeinsatzlagen und Katastrophen konzipiert, um beispielsweise bei erheblichen Wald- oder Flächenbränden eine Wasserversorgung aufbauen zu können – daher hat es auch die guten Geländeeigenschaften, große Reifen inklusive!

Aber die Wasserversorgung ist nicht der einzige Zweck dieses Fahrzeugs. Auch für sogenannte „Flächenlagen“ ist dieses Fahrzeug ausgerüstet. Flächenlagen bedeutet, dass ein größeres Gebiet betroffen ist, beispielsweise von Überflutungen oder Sturmschäden. Für diese Einsätze werden Tauchpumpe, Motorsäge und Beleuchtungsmaterial mitgeführt. Auch diese Gerätschaften haben wir unter den zahlreichen Materialien im Heck des Fahrzeugs entdeckt.

„In der Vergangenheit war das Fahrzeug aufgrund seiner Eigenschaften bereits bei Unwettern in der Stadt Aachen, in Essen und in Hamminkeln am Niederrhein gemeinsam mit anderen Einheiten aus der StädteRegion Aachen im „überörtlichen“ Einsatz“, sagte Nadine. Sie erklärte uns außerdem, dass dies aufregende und schweißtreibende Abende gewesen seien, über die man sich heute noch beim Löschzug Hoengen erzähle.

Trotz des recht speziellen Einsatzschwerpunkt des Fahrzeugs wird jedoch auch die Beladung für einen „normalen“ Brandeinsatz in einem Gebäude mitgeführt: Vier Atemschutzgeräte, zwei davon können im Mannschaftsraum während der Fahrt angelegt werden; Hohlstrahlrohre für den Innenangriff und tragbare Leitern um Menschen aus Gebäuden retten zu können. Und auch eine Erstausrüstung für Verkehrsunfälle wird mitgeführt, um erste Maßnahmen bis zum Eintreffen eines Fahrzeugs mit schweren hydraulischen Rettungsgeräten durchführen zu können. Ein wahres Multitalent!

Wir hoffen, dass wir Euch gemeinsam mit Nadine unsere Leidenschaft für die Feuerwehr und das Ehrenamt erneut etwas näher bringen konnten. Frauen sind in der Feuerwehr nicht nur am Internationalen Frauentag gern gesehen, denn sie können genauso gut anpacken und hohe Positionen besetzen wie ihre männlichen Kollegen – Nadine ist das beste Beispiel dafür! Weitere Informationen zum Ehrenamt in Alsdorf finden Feuerwehrbegeisterte auf den Internetseiten der Feuerwehr unter www.feuerwehr-alsdorf.de oder auf www.facebook.com/feuerwehr.alsdorf.


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